Neues aus der Umgebung
Vielfältigkeit in reizvoller Natur
Meinersens Bürgermeister Ernst-August Niebuhr will alle Ortschaften gleichermaßen gerecht behandeln
MEINERSEN. Die Wähler stimmen am 11. September über die Besetzung der kommunalen Parlamente ab. Bürgermeister Ernst-August Niebuhr gibt im Interview mit Redakteur Reiner Albring einen Überblick über den Stand der Dinge in der Gemeinde Meinersen.
Wie beurteilen Sie die Gesamtsituation der Gemeinde innerhalb der Samtgemeinde?
Die Gemeinde Meinersen ist mit ihren fast 9000 Einwohnern und elf Ortsteilen die größte Mitgliedsgemeinde in der Samtgemeinde. Hier finden Sie eine breite Infrastruktur vom ärztlichen Angebot über Schule, Kinderbetreuung, ein vielfältiges Gewerbe, eine intakte Landwirtschaft in reizvoller Natur und eine gute Gastronomie. Als größte Gemeinde in der Samtgemeinde profitieren wir von vielen Einrichtungen der Samtgemeinde, wir zahlen aber auch 38 Prozent der Samtgemeindeumlage.
Wie steht die Gemeinde derzeit finanziell da? Ist es notwendig, neue Schulden zu machen?
Die Gemeinde Meinersen steht nach dem neuen strengen kaufmännischen Haushaltsrecht - der Doppik - gut da. Unser Haushalt ist ausgeglichen. Wie im Privaten oder Geschäftlichen kommt man aber manchmal nicht umhin, für bestimmte notwendige Investitionen einen Kredit aufzunehmen. Das Entscheidende ist, dass man die Schulden in einem überschaubaren Zeitraum abbauen kann. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren unsere Schulden um 800Â Â 000 Euro reduziert - bei gleichbleibenden Tilgungsraten sind wir in zehn Jahren schuldenfrei.
Wird der neue Haushalt spürbare Veränderungen für die Bürger bringen?
Wir versuchen die Belastungen der Bürger nach Möglichkeit gering zu halten. Die Hebesätze für Grundsteuern wurden nicht erhöht.
Wie steht es um die örtliche Infrastruktur?
In unserer Gemeinde werden Natur und Kultur großgeschrieben. Wir haben ein weltweit bekanntes Künstlerhaus, ein Kulturzentrum, das sich sehen lassen kann, einen aktiven Kulturverein und viele kulturelle Vereine wie den SV Helau oder den Gesangsverein Seershausen, um nur einige zu nennen. Das Golddorf Päse darf sich über viele Auszeichnungen freuen, aber auch die anderen Ortschaften können sich sehen lassen. Getragen wird die dörfliche Kultur vor allem von den ehrenamtlich Tätigen, denen unser besonderer Dank gilt. Die Förderung ehrenamtlich Tätiger ist uns deshalb sehr wichtig. In allen Orten haben wir oder sind wir dabei, Mittel für die Sanierung der Dorfgemeinschafts- und Vereinshäuser zur Verfügung zu stellen.
Welche Rolle spielt das Schulzentrum für Meinersen?
Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir ein Schulstandort für alle drei Schulformen sind: Hauptschule, Realschule und das Sybilla-Merian-Gymnasium. Unser Stolz ist auch die neue Mensa. Sie ist in der Lage, täglich mehrere Menüs anzubieten. Auch das Ganztagsangebot im Schulbereich soll erweitert werden.
Das Ziel, das Waldbad zu beheizen, haben wir bereits vor fünf Jahren formuliert. In der kommenden Saison wird es Wirklichkeit und wir sind uns sicher, dass das Waldbad dann den 1700 Schülern am Schulzentrum eine gute Möglichkeit im Schulsport bieten wird. Auch der im Jahre 2010 aufwendig sanierte Schulsportplatz trägt dazu bei.
Welchen Herausforderungen wird sich die Gemeinde in den nächsten Jahren stellen müssen?
Als Flächengemeinde müssen wir darauf achten, dass alle Ortschaften gerecht behandelt werden und Einrichtungen erhalten bleiben. So haben wir uns für den Erhalt des Ohofer Kindergartens eingesetzt und wollen auch in Zukunft, dass alle Ortswehren nach dem Feuerschutzkonzept ausgestattet werden.
Als wichtige soziale Aufgabe sehen wir in den kommenden Jahren neben dem Ausbau der frühkindlichen Betreuung das betreute Wohnen für Senioren. Hier prüfen wir zurzeit verschiedene Konzepte.
Die Straßensanierung wird uns auch in Zukunft stark beschäftigen; in den letzten fünf Jahren haben wir die jährlichen Mittel für die Straßenunterhaltung von 30Â Â 000 Euro auf über 100Â Â 000 Euro mehr als verdreifacht. Und nicht zuletzt unser Kulturzentrum. Wir möchten es für alle Bürger weit öffnen und die Nutzungsmöglichkeiten interessanter gestalten.
Mit welchen Pfunden kann Meinersen wuchern?
Wer sich in freier Natur bewegen möchte, kommt bei uns nicht zu kurz. Eine reizvolle Naturlandschaft entlang des Okerlaufes bietet gute Möglichkeiten. Besondere Höhepunkte sind hier die Fischtreppe und der Naturlehrpfad.
Wie stellt sich Ihnen die Debatte um die geplante Hühnerfarm Dalldorf dar?
Die Gemeinde Meinersen hat zu dem ihr vorgelegten Antrag auf Bau einer Hühnerfarm ihr gemeindliches Einvernehmen nicht erteilt. Der Antrag war aus unserer Sicht unvollständig. Der Landkreis Gifhorn ist Genehmigungsbehörde und am Zuge. Wir haben eine Anwaltskanzlei eingeschaltet und beobachten das Verfahren kritisch.
Wie stehen Sie als Bürgermeister zur Regionsdebatte?
Ich halte die Regionsdebatte für überflüssig. Größere Regionen bedeuten auch weniger Bürgernähe und lösen nicht die Probleme, siehe Großraumverband Hannover. Ein großes Problem ist nach meiner Meinung, dass immer mehr Aufgaben von Bund und Ländern auf die Kommunen übertragen werden, ohne einen finanziellen Ausgleich.
Ernst-August Niebuhr, Bürgermeister der Gemeinde Meinersen | Foto: Lohmann
Gifhorner Rundschau vom 23.02.2011.
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